Von seltenden Fischen

13. April 2007 um 10:34 | Veröffentlicht in Heimat, Sprache | 6 Kommentare

Ich komme aus einer Gegend, in der Karneval zumindest für Kinder begangen wird. In diesem Rahmen war mir das Lied „An der Nordseeküste“ wohlbekannt:

„An der Nordseeküste
Am plattdeutschen Strand
Sind die Fische im Wasser
Und selten an Land“

So habe ich es auch, seinerzeit in der Grundschule, stets mitgesungen, auch wenn die Nordseeküste damals weit entfernt war. Trotzdem erschien mir das Wort „selten“ fragwürdig. In der Bedeutung als Gegenteil von „oft“ war es mir natürlich bekannt und vertraut. In diesem Lied verstand ich es jedoch als Verb: „Die Fische selten an Land“. Ich dachte, es sei ein besonderes Wort für „schwimmen“ oder „treiben“: „Ich selte, du seltest, er/sie/es seltet.“, „Wollen wir heute selten gehen?“ u.ä. Ich stellte mir dabei vor, wie ein Fischschwarm Richtung Küste strebte.

Da ich mich seit meiner Jugend weder mit Karneval noch mit diesem Lied befasste, musste ich erst erwachsen werden, um zu begreifen, dass auch hier lediglich das althergebrachte Adverb gemeint war. Dass die Fische aber einfach im Wasser sind und gar nichts weiter tun, kommt mir bis heute ein bisschen langweilig vor.

Nachtrag 7. Mai 2007: Ich bin untröstlich. Sehr freundlich wurde ich von Axel Hacke persönlich darauf hingewiesen, daß das Verb „selten“ bereits von ihm behandelt wurde. Ich bin nicht die einzige und schon gar nicht die erste, die den deutschen Wortschatz um ein Verb erweiterte. Vielleicht kann ich mit Frau S. eine Selbsthilfegruppe gründen. Denn auch ihr gelang ebenso unfreiwillig eine Wortschöpfung, wie man in Axel Hackes Buch „Der weiße Neger Wumbaba kehrt zurück“ und hier nachlesen kann. Ich habe halt seine Bücher nicht verfolgt, nur die Kolumnen.

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6 Kommentare »

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  1. Nun, so kann man das nicht sehen, dass Fische gar nichts weiter tun. Sie tun zum Beispiel SCHMECKEN. Und das vor allem an Land. Ich denke daher kommt es.

    Man findet mehr Fische im Wasser, statt an Land. Und wenn an Land, dann oft auf dem Teller. Und das ist selten!

  2. Das wäre doch mal ein Beitrag für Axel Hackes Sammlung falschverstandener Liedtexte, oder?

  3. Und im Wasser, schmecken die Fische da auch, 404? Und selbst wenn sie schmecken, langweilen sie sich nicht dabei?

    Vielen Dank für diese brandneue Idee, bosch. Ich warte noch auf einen Ratschlag von Herrn Hacke, wie man das Verb „selten“ am besten weiterleben lässt.

  4. […] Sprache Was man als Kind so alles versteht. Ein völlig neues Wort hat lady kinkling geschaffen. Hier gibts […]

  5. Selten schön! Habe es mal bei mir verlinkt… 🙂

  6. […] So oft es geht und das ist viel zu selten. […]


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