Fahrradgeschichten 1 – Gedenken an George.

20. April 2007 um 12:17 | Veröffentlicht in Fahrrad, Hamburg, Heimat | 3 Kommentare

Nun ist es Zeit, endlich meine Fahrradgeschichten niederzuschreiben. Mit Antoine (so der Name meines Fahrrads), der mich seit nunmehr drei Jahren treu begleitet, habe ich schon oh soviel erlebt. Die Geschichte aber beginnt früher, mit Antoines Vorgänger, nämlich mit

George.

George begleitete mich 10 Jahre lang, seit meiner Jugendzeit. Getauft wurde er nach George Harrison – natürlich. Übrigens fiel ihm an dessen Todestag der Kettenkasten ab. Zuletzt lebte er mit mir in Bonn.

Als ich mit ihm zum Mietwagenverleih fahren wollte, um dort einen Umzugswagen nach Hamburg zu mieten, setzte er mich ab. Er muss etwas geahnt haben, denn mitten auf einer Brücke blieb er einfach stehen und fuhr er kein Stück weiter. Stattdessen konnte er jetzt rückwärts fahren.

Ich schob ihn zur Werkstatt, wo der Fahrradexperte die Hände überm Kopf zusammenschlug angesichts der Tatsache, dass sich das Fahrrad bei Treten der Pedalen rückwärts bewegte. Das habe er noch nie erlebt. Und lebensgefährlich sei das. Außerdem sei dies verzogen und das nicht wiederherstellbar und eine Reparatur lohne sich nicht. – Wirklich nicht? Ich hinge so an dem Rad. „Um Himmels Willen“, sagte der Reparateur, „behandeln Sie alles, was Sie liebhaben, so schlecht?“

Aber er kann ja nicht wissen, was George und ich schon alles durchgestanden hatten: Frontalzusammenstöße, Dackel, die sich an der Leine um den Lenker gewickelt hatten usw. usf. Ich nahm George jedenfalls wieder mit und benutzte ihn als Packesel für den Transport der Bierkästen für meinen Abschiedsumtrunk. Erst am Umzugstag konnte ich mich dazu entschließen, mich von ihm zu trennen. Ich klebte einen Zettel dran, auf dem stand: „In gute Hände abzugeben, aber Vorsicht ist geboten“. So setzte ich ihn vor meiner ehemaligen Haustür aus und sah ihn nie wieder.

Das ist George im Hinterhof. Wie man sieht, habe ich durchaus zuweilen in Ersatzteile investiert.

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3 Kommentare »

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  1. Das ist eine ganz rührende Geschichte, aber traurig. Der arme George. Du hast ihn einfach ausgesetzt. Wie herzlos von Dir, das hätte ich nicht von Dir gedacht. Nichtmal die Fahrradklingel hast Du abmontiert. Wirklich traurig, das.

  2. Ich weine heute noch deswegen.

  3. Ich habe ihn ja noch einmal gesehen, als du schon in Hamburg warst! Der arme Kerl!


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