Fahrradgeschichten 7 – Antoines Schloß wird von der Polizei persönlich geknackt

4. Juni 2007 um 1:33 | Veröffentlicht in Fahrrad, Hamburg | 3 Kommentare

Eine der schlimmsten Nächte für Antoine und mich begann mit einer harmlosen Geburtstagsparty in der Meanie Bar. Ich amüsierte mich ganz gut, aber mit einem Mal stellte ich fest, dass meine Tasche weg war. Ich hatte sie nur eine Sekunde aus den Augen gelassen – und ich schwöre, das tue ich nie wieder – und sie war weg, ebenso meine Jacke.

In meiner Tasche hatte sich neben meinem Portemonnaie, meinem Taschentelefon, einem Pullover, einer brandneuen Brille und etwas Kleinkram auch mein Schlüssel und damit eben auch mein Fahrradschlüssel befunden (So schließt sich der Kreis; die anderen unschönen Folgen des Diebstahls spare ich aus, denn dies ist schließlich eine Antoine-Geschichte).


Der arme Antoine mußte also mal wieder auf der Reeperbahn übernachten, wo ich ihn tags drauf wieder einsammeln wollte. Es gab allerdings keinen Zweitschlüssel mehr für das Fahrradschloß, da einer schonmal im Schloß abgebrochen war. Deswegen suchte ich mal wieder in die Davidwache auf, wo ich mich während der Nacht wegen der Diebstahlmeldung bereits eine Weile aufgehalten hatte, und fragte rundheraus, ob ich mir einen Bolzenschneider ausleihen könne. Die Polizei entschied, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und ihren etwas antiken Bolzenschneider und mich zu begleiten, obwohl ich erklärt hatte, daß sie mir schon glauben würden, daß ich das Fahrrad nicht stehlen wolle, wenn sie es sehen.

Daraufhin fuhr ich mit einem Polizisten und einer Polizistin im Streifenwagen die drei Meter zur Meanie Bar. Es fehlte nur das Blaulicht. Ich hatte sogar das Anhängsel von der Versteigerung dabei, wo Antoines Größe mit 28 ausgezeichnet war, was offensichtlich nicht wahr ist. Daran störte sich aber niemand, als ich es als Beweisstück für mein Anrecht an Antoine vorzeigen mußte, und die Angelegenheit wurde sorgfältig protokolliert.

Der Polizist machte sich also mit dem Bolzenschneider ans Werk, aber er (der Bolzenschneider) war, wie gesagt, nicht mehr der Jüngste. Sofort versammelte sich ein Menschenauflauf, um den Polizisten auszulachen, der vergeblich versuchte, ein Fahrradschloß zu knacken, während die Polizistin und ich ihn dabei überwachten. Schließlich bat er einen der schaulustigen nachmittäglichen Reeperbahn-Touristen um Hilfe. Der war stark und befreite Antoine. Großes Hallo und großes Danke und Antoine und ich lagen uns weinend in den Armen.

Am nächsten Tag bekam er ein neues Schloß.

Ältere Fahrradgeschichten: Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs.

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3 Kommentare »

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  1. Oh my god…
    Wenigstens das Rad hast du wieder ! Ansonsten:
    Meine Anteilnahme, ein GAU ist das
    ja schon, so ein Taschendiebstahl. Kopf hoch ! 🙂

  2. fantastische geschichte! unfähige polizisten und aufopferungsvoll helfende passanten (ganz offenbar hat der ahnung, wie man sachen klaut – DER hat die tasche!!)…
    hab schön gelacht! 🙂

  3. Meine Empfehlung: eine Flex. Aber vielleicht kann man das von der Davidwache nicht verlangen, dass sie auch so etwas vorrätig hat.


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