St.-Martins-Geschichte

9. November 2007 um 14:05 | Veröffentlicht in Heimat, Sprache | 3 Kommentare
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Ich komme ja aus einer Gegend, in der der Martinstag praktiziert wird – in meiner Jugend auch noch unbeeinträchtigt von der (amerikanisierten) Halloween-Welle, die Kinder heutzutage dazu bewegt, verkleidet an Nachbarstüren zu klingeln und „Halloween“ zu brüllen. Wir sangen immerhin noch lieblich für unsere Süßigkeiten. Außerdem gab es ein Martinsfeuer und einen echten St. Martin auf einem echten Pferd, der eine Runde ums Feuer ritt. Dann bekam man den ersten Weckmann des Jahres (den zweiten gab es zum Nikolaustag). Im Kindergarten und in der Grundschule bastelten wir Laternen. Besonders stolz war ich auf mein leuchtendes Fachwerkhaus.

Die Laternen durften natürlich weder beim Martinszug noch beim Ersingen der Süßigkeiten in der Nachbarschaft fehlen. Bis zu drei Abende – je nach Reviervariation – vor dem 11. November waren wir unterwegs. Mein Favorit unter den Martinsliedern war zwar „Der Herbststurm braust durch Wald und Feld“, doch auch das klassische St.-Martins-Lied mochte ich gerne. Die guten Lieder hoben wir uns übrigens für die freundlichen Nachbarn auf. Bei den anderen – weniger großzügigen und denen, die wir nicht gut kannten – rissen wir „Laterne, Laterne“ ab. Wir entschieden auch vorher, ob sie alle Strophen verdient hatten oder gar mehrere Lieder.

In dem Lied „Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind“ wird jedenfalls die ganze Geschichte erzählt, wie Martin in einen warmen Mantel eingepackt ist und selbigen mit dem Schwerte teilt, um ihm dem armen Mann zu geben, der im Schnee saß, im Schnee saß, im Schnee saß, und den Tod durch den bittren Frost fürchtet:

„… Sankt Martin mit dem Schwerte teilt den warmen Mantel unverweilt.

Sankt Martin gibt den halben still,
der Bettler rasch ihm danken will,
Sankt Martin aber ritt in Eil‘ hinweg mit seinem Mantelteil.“

Nun wunderte ich mich aber in meinem kleinen Kopf (Das anstrengendste am Kindsein fand ich ja sowieso immer, dass man so vieles noch nicht verstehen kann): Was ist eigentlich ein Still? Ich sang das Wort immer großgeschrieben: „Sankt Martin gibt den halben Still“. Ist Still ein bestimmter Mantel, vielleicht ein historischer? Oder eine Währung? Ein Befehl an das Pferd? Ich habe nie gefragt.

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3 Kommentare »

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  1. 1) Wir hatten nur ein einziges Lied:
    „Als Martin noch ein Knabe war
    da hat er gesungen
    so manches Mal
    vor fremder Leute Türen
    vor fremder Leute Türen.“
    Die letzte Zeilen konnten wir so richtig gröhlen, wenn wir übermütig waren oder uns langweilig war.
    Ich glaube, wir mussten auch an mindestens einer Tür auch noch mal singen, von wegen „falsch aber laut“. Naja. Trotzdem besser als „Süßes oder Saures.“
    2) „Ich habe nie gefragt“.
    Das große „Sapere aude“ kommt dann später. 😉

  2. In Berlin gibt es zwar immer ein paar Laternenumzüge für die Kinder, hier und da eine kleine Veranstaltug für Kinder – aber das Martinssingen gibts hier nicht. (Was ist mir da als Kind entgangen! Halloween gabs damals ja auch noch nicht!)

  3. Martinsganz


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