Fahrradgeschichten 38 – Alt und neu und so

5. Mai 2009 um 10:36 | Veröffentlicht in Fahrrad | Hinterlasse einen Kommentar
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Was wollte ich eigentlich erzählen? Ach ja: Daß es manchmal schon komisch ist, auf sein Fahrrad angesprochen zu werden, wenn man tranig durch die Gegend gurkt. Ich hab’s ja nicht gekauft, um groß auszufallen, sondern weil es das allererste Fahrrad war, das mir sofort gefiel. Das ist so, wie wenn man je nach Tagesstimmung eine auffällige oder weniger auffällige (Sonnen-)Brille anzieht. Nur das Fahrrad ist immer das gleiche. Und manchmal, geradezu meistens, ist man einfach nicht in der Stimmung, angelabert zu werden. Manchmal freu ich mich natürlich auch ein bißchen, hier und da auch sehr.
Und daß sich einmal, als ich in der Stadt an der Ampel stand, ein mittelkleiner Junge mit beiden Beinen um mein Vorderrad klemmte und zu sich selbst sagte: „Boah, so breite Fahrradreifen hab ich noch nie gesehen.“ Und verschwand im Nichts, woher er auch gekommen war.
Sooo breit sind die Reifen ja nun auch nicht.
Und daß ich vor kurzem tatsächlich noch einmal mit dem kleinen Antoine gefahren bin. Einfach so. Das ist vielleicht komisch, wie sehr man sich an einen großzügigen Lenker und einen Sattel wie ein Sofa (Das sagte wiederum letztens der Brotverkäufer auf dem Markt) gewöhnt. Mit Johnny Thunder hat man ja eine richtige Karosserie unter sich. Und jetzt fühlte ich mich auf Antoine wie ein Elefant auf einem Einrad. Dabei habe ich ihn geschlagene vier Jahre gefahren, als sei es das Normalste auf der Welt.
Und daß ich mittlerweile schon nen paar gleichgebaute Electra-Modelle in Hamburg gesehen habe, meistens diese Hawaii-Ausgabe, die ich ja ehrlich gesagt nicht so schön finde, und zwar in rosa, olivgrün und blau.

Moi sur le vélo.

Ist es eigentlich Absicht, daß man bei dem Wort „Ampel“ nur das L von der Lampe hintendrangehängt hat?

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Fahrradgeschichten 27 – Antoine reißt die Hutschnur

29. Juli 2008 um 20:13 | Veröffentlicht in Fahrrad, Starstruck | 6 Kommentare
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Nun geht alles auf einmal ganz schnell. Heute ist Antoine die Handbremse gerissen. Rein zufällig, nachdem er gestern mit in den Fahrradladen mußte, um die Konkurrenz zu besichtigen.

Ich wurde heute auf einer schmalen Straße von einem ausrangierenden Auto abgedrängt und mußte scharf bremsen, wozu ich gewöhnlich sowohl Rücktritt- als auch Handbremse zu Hilfe nehme. Zum Glück war ich nicht wahnsinnig schnell; die Gefahr bestand allein darin, an einem parkenden Auto entlangzuschrammen.

Die Handbremse riß einfach ab. Glücklicherweise kam ich trotzdem rechtzeitig zum Stehen.

Nun werden einige sagen: der arme Antoine, der weiß auch nicht mehr wohin, er ist traurig, er spürt, daß ich mein Herz an ein anderes Fahrrad verloren habe, oder er will sich rächen, hat er auch allen Grund zu usw. usf. Ich sage: ein Mordversuch, das geht entschieden zu weit. Er kann nicht aus verletzter Eitelkeit mein Leben aufs Spiel setzen. Was hätte alles passieren können.

Es schmerzt mich ja auch, doch es wird immer klarer: ein neues Fahrrad muß her. Ob es der schöne Gigi wird, kann ich noch nicht sagen. Ich kann mich noch nicht recht entscheiden. Ich möchte ja auch nicht ständig fürchten, daß das Fahrrad geklaut wird. Kann man noch irgendetwas gegen Fahrraddiebstahl tun als ein 70-Euro-Schloß kaufen? Ein Handy zum Orten umbinden oder so?

Und Antoine, der wird nicht so schnell vergessen. Er wird möglicherweise zum 1000sten Mal repariert und wird weiter in der Garage wohnen dürfen. Nach all den Jahren.

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Fahrradgeschichten 24 – Antoine rostet durch

19. Juni 2008 um 17:51 | Veröffentlicht in Fahrrad, Picture Book | 4 Kommentare
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Wenn ich an etwas Marodes denke, wie in dieser Woche vom Projekt 52 gefordert, fällt mir als erstes mein Fahrrad Antoine ein. Der Gute befindet sich mittlerweile schon seit über vier Jahren in meinem Besitz, und trotz aller gelegentlichen Schwierigkeiten mag ich mich nicht recht von ihm trennen. Über sein voriges Leben weiß ich nichts, da ich ihn seinerzeit im Fundbüro ersteigerte. Dementsprechend sieht sein vorderes Schutzblech aus.

Sein hinteres ist bereits ersetzt, nachdem er vor Jahr und Tag einmal bei voller Fahrt völlig unvermittelt bremste:

Ich behielt aber die Kontrolle über das Fahrzeug. Ich stieg ab und sah, dass das hintere Schutzblech an einer Stelle durchgerostet war, und sich der hintere Teil des Schutzbleches durch die Fahrbewegung des Rades unter den vorderen geschoben hatte. Ich friemelte das Schutzblech auseinander und steckte es andersrum wieder fest.

Kurz darauf wollte ich mit Antoine an einem Sommerabend an der Elbe wieder nach Hause
fahren. Nach wenigen Metern bremste er schon wieder plötzlich und war nicht mehr fortzubewegen. Diesmal war das Schutzblech an einer weiteren Stelle gebrochen und hatte sich ineinandergeschoben und verkeilt, und diesmal ging gar nichts mehr. Ich brauchte – mitten in der Nacht – fast eine Stunde, um das lose Schutzblechteil vollständig auseinanderzubrechen und von der Strebe zu trennen, um ohne Schutzblech weiterfahren zu können. Selbiges ersetzte ich am nächsten Tag in der Fahrradstation. Das ist schon drei Jahre her; seither hat sich am Vorderrad noch nichts gleichartiges getan.

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Fahrradgeschichten 22 – Da hat Antoine aber geguckt

29. Mai 2008 um 12:01 | Veröffentlicht in Fahrrad | 5 Kommentare
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Da hat Antoine (unten rechts im Bild) aber geguckt, als er neben einem Fahrradständer dieses aufgesäbelte Schloß auf dem Boden vorfand. So schnell kann es gehen – und das mitten im regen Treiben der Innenstadt.

Wie gut, daß Antoine niemand haben will, nicht einmal, wenn er unabgeschlossen vorm Supermarkt wartet. Liegt bestimmt an seinem Selbstverteidigungskurs …

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Fahrradgeschichten 21 – Antoine wird vergessen

21. April 2008 um 10:20 | Veröffentlicht in Fahrrad | 6 Kommentare
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Fröhlich mit dem Fahrrad in die Stadt gefahren und dann schnell in einen großen Elektronik- und Musikfachhandel gegangen, in dem sie einmal nicht wußten, was eine antistatische Kohlefasernschallplattenbürste ist. Sie hatten dann doch eine da.

Jedenfalls kann man aus dem Laden untenrum direkt in die U-Bahn-Station gehen, was ich auch tat – ohne auch nur ein bißchen an Antoine zu denken. Abends zu Hause fiel er mir dann mit einem Male wieder ein. Doch ich Rabenfahrradhalterin hatte überhaupt keine Lust, noch einmal loszufahren, um ihn einzusammeln – obwohl ich ihn schnell nur an sich selbst und nicht an so einem Laternenpfahl festgeschlossen hatte.

Am nächsten Morgen machte ich mich dann mit der U-Bahn auf den Weg zu jenem Fachhandel, damit rechnend, daß Antoine noch da ist, und gleichzeitig damit rechnend, daß er nicht mehr da ist. Nach dieser Nacht in einer wenig vertrauenerweckenden Ecke.

Er war noch da. Nicht einmal nicht festgeschlossen wird Antoine mitgeschnackt.

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Fahrradgeschichten 20 – Antoine ist verwirrt

8. Februar 2008 um 11:27 | Veröffentlicht in Fahrrad | 4 Kommentare
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Antoine ist aus dem Winterschlaf erwacht. Die ersten Fahrradmuskeln sind wieder ausgegraben. Seit dem letzten Besuch in der Fahrradstation macht er komische Geräusche, es ist kalt draußen und außerordentlich windig – all das tut der Fahrradfreude keinen Abbruch. Antoine hat allerdings ein wenig darunter zu leiden, daß seine Halterin im Moment ein bißchen am Rad dreht, und heute konnte er nur den Kopf schütteln.

Auf dem Weg zur Arbeit hielt lady-kinkling kurz an der Sparkasse, um Kontogebühren einzufordern, die sie als Studentin nicht entrichten muß, die aber eingezogen wurden, weil sie es in diesem Semester bislang versäumt hatte, ihren Studierendenausweis vorzulegen. Die erste Dame sagte, das könne nicht rückgängig gemacht werden, schließlich sei es lady-kinklings Pflicht, die Sparkasse über den Studentenstatus zu unterrichten. Aber lady-kinkling war freundlich und bei der zweiten Dame ging es auf einmal in Ordnung.

Danach eilten lady-kinkling und Antoine noch schnell in die nächste Bäckerei und erstanden ein Laugenbrötchen mit Körnern. Bezahlt, Wechselgeld erhalten, aufs Fahrrad gesprungen und losgefahren. Fast am Ziel angekommen, bremste Antoine mit quietschenden Reifen. „Lady-kinkling“, sagte er, „hast du eigentlich das Brötchen eingesteckt?“ Lady-kinkling schaute in der Tasche nach. Kein Brötchen. Bezahlt, Wechselgeld erhalten, aufs Fahrrad gesprungen, losgefahren, Brötchen vergessen. Antoine war es auch zu spät eingefallen.

So ein Laugenbrötchen mit Körnern kostet nicht die Welt. Trotzdem. Es ist bezahlt und damit sind die Rechte daran gekauft. Antoine sagte: „Und wenn sie dein Brötchen nicht auf uns warten lassen, sollen sie es wenigstens jemandem geben, der Hunger hat.“
Auf der Arbeit angekommen suchte Antoine die Nummer der Bäckerei heraus und rief dort an. Die Bäckereifachverkäuferin wußte sofort, wovon er sprach. Sie habe das Laugenbrötchen bereits zurückgelegt und es sei okay, wenn Antoine jemanden schickt, der es abholt. Das tat er.

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