Fahrradgeschichten 30 – Die ersten Monate mit Gigi

2. Dezember 2008 um 22:08 | Veröffentlicht in Fahrrad | 1 Kommentar
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Nun bin ich schon eine ganze Weile sehr glücklich mit Gigi. Einen neuen Namen hat das Fahrrad immer noch nicht. Vielleicht bleibt es doch bei Gigi; steht schließlich auch drauf. Gigi und ich haben uns aneinander gewöhnt und er hat schon die ersten Gebrauchsspuren. Die Wege an der Alster können bei nassem Wetter ganz schön dreckig sein. Und der Korb, der eine Woche später kam, ist vorne drangschraubt. Gigi hat den Hamburger Sommer gesehen und den goldenen Oktober. Und nun den kalten Regen und den Winter. Und noch immer bereitet er mir täglich Freude.
Gigi hat es nicht so gern, angequatscht zu werden, trotzdem geschieht das ein bißchen häufiger als bei Antoine. „Sie haben ja ein lustiges Fahrrad. Mit dem kann man bestimmt gut im Sand fahren.“ – „Das hat ja … ein Muster auf dem Schutzblech. Aber das weißt Du ja wahrscheinlich schon.“ Gigi ist eher still und sagt ja auch nicht so komische Sachen. Nur die Klingel, die kommt gut an. Sie macht „dingdong“. Es gibt da so eine Art Berufsschule, an der ich manchmal vorbeikomme. Da stehen in der Pause ein Pulk von Halbwüchsigen mitten auf dem Radweg rum, bei dem man sich sofort denkt, daß sie eilige Radfahrer niemals durchlassen würden. Doch was hören Gigi und ich da von verschiedenen Seiten? „Coole Klingel“ – und sofort machen sie Platz. Beim nächsten Mal vernahmen wir gar „Die Klingel kenn ich schon!“ und wir fahren hindurch wie der letzte Prinz durch die Dornenhecke, die den Weg zu Dornröschen von alleine freigibt.
In der U-Bahn ist Gigi auch schon gefahren, wenn es plötzlich arge Regenschauer gab. Bei kleinen Kindern macht er da besonders Eindruck. Sie hängen sich aus ihren Kinderwägen immer an den Lenker, und die Mütter müssen sie mühsam in ihren Sitzen halten. Müßten sie mich auch. Aber es ist ja mein Fahrrad. Mein allerliebstes neues Fahrrad.

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Fahrradgeschichten 28 – Eine Entscheidung treffen.

31. Juli 2008 um 13:35 | Veröffentlicht in Fahrrad | 1 Kommentar
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Antoines Handbremse ist wieder liebevoll zusammengeflickt und die Kette geölt. Dennoch: seine Tage als hauptamtliches Fahrrad scheinen gezählt (Schluck.).

Nun habe ich ja einige Tage mit Gigi geliebäugelt. Gigi ist wunderschön und aus Stahl. Dann gibt es aber noch seinen cremefarbenen Freund (vorn im Bild). Der ist ebenfalls ausgesprochen formschön und aus Alu.

Dieses Fahrrad – hollandradgeformt, aber eben leicht – hat allerdings keinen Gepäckträger. Ich will aber unbedingt einen. Wenn man einen dranbaut, ist er halt silbern. Gigi hat vorn und hinten einen Korb (für mich super), ebenfalls silbern.

Kosten tun beide ungefähr das gleiche. Dann erfuhr ich durch den freundlichen Fahrradmann, daß auffällige Fahrräder weniger oft geklaut werden als neutrale, obwohl ich schon fast gedacht hatte, dass letzteres für das Hollandrad spricht. Ist aber auch irgendwie logisch, die wird der Dieb ja nirgends los und der Wiedererkennungseffekt ist größer.

Die Codierung sei wirklich überflüssig. Naja, ich kann heute abend nochmal das leichte Rad probefahren … Mal gucken …

Fahrradgeschichten 27 – Antoine reißt die Hutschnur

29. Juli 2008 um 20:13 | Veröffentlicht in Fahrrad, Starstruck | 6 Kommentare
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Nun geht alles auf einmal ganz schnell. Heute ist Antoine die Handbremse gerissen. Rein zufällig, nachdem er gestern mit in den Fahrradladen mußte, um die Konkurrenz zu besichtigen.

Ich wurde heute auf einer schmalen Straße von einem ausrangierenden Auto abgedrängt und mußte scharf bremsen, wozu ich gewöhnlich sowohl Rücktritt- als auch Handbremse zu Hilfe nehme. Zum Glück war ich nicht wahnsinnig schnell; die Gefahr bestand allein darin, an einem parkenden Auto entlangzuschrammen.

Die Handbremse riß einfach ab. Glücklicherweise kam ich trotzdem rechtzeitig zum Stehen.

Nun werden einige sagen: der arme Antoine, der weiß auch nicht mehr wohin, er ist traurig, er spürt, daß ich mein Herz an ein anderes Fahrrad verloren habe, oder er will sich rächen, hat er auch allen Grund zu usw. usf. Ich sage: ein Mordversuch, das geht entschieden zu weit. Er kann nicht aus verletzter Eitelkeit mein Leben aufs Spiel setzen. Was hätte alles passieren können.

Es schmerzt mich ja auch, doch es wird immer klarer: ein neues Fahrrad muß her. Ob es der schöne Gigi wird, kann ich noch nicht sagen. Ich kann mich noch nicht recht entscheiden. Ich möchte ja auch nicht ständig fürchten, daß das Fahrrad geklaut wird. Kann man noch irgendetwas gegen Fahrraddiebstahl tun als ein 70-Euro-Schloß kaufen? Ein Handy zum Orten umbinden oder so?

Und Antoine, der wird nicht so schnell vergessen. Er wird möglicherweise zum 1000sten Mal repariert und wird weiter in der Garage wohnen dürfen. Nach all den Jahren.

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Ältere Fahrradgeschichten.

Fahrradgeschichten 26 – Die erste Fahrradgeschichte ohne Antoine

28. Juli 2008 um 15:06 | Veröffentlicht in Fahrrad, Starstruck | 11 Kommentare
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Jedenfalls fast ohne Antoine – noch steht er unten in der Garage und darf von diesem Beitrag nichts erfahren. Es ist nicht so, daß ich ihn nicht mehr mag, und einfach so trennt man sich nicht von seinem alten herzensguten Fahrrad. Doch nun ist ein neues Fahrrad in mein Leben getreten, zumindest in Gedanken.

Ich habe einmal gesagt, mein Traumfahrrad sähe aus wie ein Fünfziger-Jahre-Auto. Ich wußte gar nicht, daß es so etwas wirklich gibt. Doch am just vergangenen, außerordentlich entspannenden Sommerwochenende in Berlin mit jeden Tag Freibad kam ich zufällig an einem Fahrradgeschäft vorbei und sah: Continue Reading Fahrradgeschichten 26 – Die erste Fahrradgeschichte ohne Antoine…

Fahrradgeschichten 25 – Ein Schnappschuß von Antoine

19. Juli 2008 um 15:20 | Veröffentlicht in Fahrrad | 2 Kommentare
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Letzte Woche bin ich beim Projekt 52 leider nicht hinterhergekommen, aber ich habe ja ohnehin noch einige Wochenthemen nachzuholen …

Nun, als ich heute morgen das Haus verließ und Antoine sattelte, mußte ich feststellen, daß er nachts wohl heimlich bei McDonald’s gewesen war. Ich gehe nie zu McDonald’s, doch die Überreste von Antoines Eskapaden sind zuweilen in seinem Fahrradkorb zu finden: heute ist es eine leere Papiertüte, sonst mal eine Bierflasche, mal Kontoauszüge. Da kann er mir nichts vormachen. Also hier ein Schnappschuß von Antoine, auf frischer Tat ertappt:

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Fahrradgeschichten 24 – Antoine rostet durch

19. Juni 2008 um 17:51 | Veröffentlicht in Fahrrad, Picture Book | 4 Kommentare
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Wenn ich an etwas Marodes denke, wie in dieser Woche vom Projekt 52 gefordert, fällt mir als erstes mein Fahrrad Antoine ein. Der Gute befindet sich mittlerweile schon seit über vier Jahren in meinem Besitz, und trotz aller gelegentlichen Schwierigkeiten mag ich mich nicht recht von ihm trennen. Über sein voriges Leben weiß ich nichts, da ich ihn seinerzeit im Fundbüro ersteigerte. Dementsprechend sieht sein vorderes Schutzblech aus.

Sein hinteres ist bereits ersetzt, nachdem er vor Jahr und Tag einmal bei voller Fahrt völlig unvermittelt bremste:

Ich behielt aber die Kontrolle über das Fahrzeug. Ich stieg ab und sah, dass das hintere Schutzblech an einer Stelle durchgerostet war, und sich der hintere Teil des Schutzbleches durch die Fahrbewegung des Rades unter den vorderen geschoben hatte. Ich friemelte das Schutzblech auseinander und steckte es andersrum wieder fest.

Kurz darauf wollte ich mit Antoine an einem Sommerabend an der Elbe wieder nach Hause
fahren. Nach wenigen Metern bremste er schon wieder plötzlich und war nicht mehr fortzubewegen. Diesmal war das Schutzblech an einer weiteren Stelle gebrochen und hatte sich ineinandergeschoben und verkeilt, und diesmal ging gar nichts mehr. Ich brauchte – mitten in der Nacht – fast eine Stunde, um das lose Schutzblechteil vollständig auseinanderzubrechen und von der Strebe zu trennen, um ohne Schutzblech weiterfahren zu können. Selbiges ersetzte ich am nächsten Tag in der Fahrradstation. Das ist schon drei Jahre her; seither hat sich am Vorderrad noch nichts gleichartiges getan.

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